[bits] Die Polizei interessiert sich für Deinen Corona-Status

Hallo,

die Polizei hat in mehreren Bundesländern Daten von Menschen erlangt, die mit dem neuartigen Coronavirus infiziert wurden. Auf solchen Listen stehen mindestens zum Teil auch Kontaktpersonen der Betroffenen. In Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wurden Gesundheitsämter aufgefordert, diese sensiblen Daten zur Verfügung zu stellen. In Bremen und Baden-Württemberg wurde eine Übermittlung vorerst wieder gestoppt, nachdem Datenschützer:innen interveniert hatten.

Dieses Vorgehen ist natürlich inakzeptabel. Nach den ersten Berichten über diese Praxis in Baden-Würtemberg hat Daniel Laufer mal verschiedene Bundesländer nach ihrem Vorgehen angefragt und festgestellt, dass es viel häufiger praktiziert wird: Polizei sammelt in mehreren Bundesländern Coronavirus-Listen.

Neues bei netzpolitik.org

Was machen eigentlich die großen Plattformen wie Twitter und Facebook konkret in Fragen der Desinformationsbekämpfung in Zeiten der Coronakrise? Das ist leider sehr intransparent und kaum demokratisch kontrolliert. Wir haben etwas überrascht, dass jetzt Tweets und Postings von Brasiliens Präsident Bolsonaro gelöscht wurden und wundern uns, dass dieselben Regeln Donald Trump nicht treffen. Alexander Fanta hat sich das angeschaut: Politikerlügen bringen Plattformen unter Druck.

26.581 TeilnehmerInnen haben beim #wirvsvirus-Hackathon an etwa 1.500 Projekten zur Coronakrise gearbeitet. Die OrganisatorInnen haben mit Hilfe von ExpertInnen und einer Fachjury nun 20 Projekte prämiert und ein Unterstützungskonzept vorgestellt. Thomas Gegenhuber berichtet über die Ergebnisse und ordnet ein: Die nächsten Schritte vom Sprint zum Marathon.

Wissenswertes zum Coronavirus

In der vergangenen Woche berichteten diverse Medien über ein internes Strategiepapier aus dem Bundesinnenministerium, das in Szenarien beschreibt, wie man (aus Sicht der BMI) Covid-19 unter Kontrolle bringen könnte. Bei Frag den Staat gibt es jetzt das Originaldokument zu lesen. Bitte berücksichtigen: Das ist aus Sicht eines Bundesinnenministeriums und deren Mindset beschrieben. Das bedeutet, das man aus anderen Perspektiven zu anderen Schlüssen kommen kann. Trotzdem ist es wichtig, in einer Originalquelle lesen zu können, was zentrale Akteure in unserer Bundesregierung denken.

Zeit-Online hat untersucht, wie viele Intensivbetten es in unseren Regionen gibt und ob die für die Krise ausreichen. Es gibt auch eine gute Nachricht: Die Lage ist bei uns zum Glück besser als gedacht. Durchatmen sollte man trotzdem nicht.

Home-Schooling nicht nur für Kinder: Die Sendung mit der Maus bietet einen Einstiegskurs in Programmieren. Das macht auch Älteren Spaß, die sich vielleicht noch nicht mit Programmieren praktisch auseinandergesetzt haben und mal die Logiken anhand von Scratch ausprobieren wollen. Es macht auch Spaß.

Masken werden gerade viele gebastelt und genäht, aber denkt auch jemand an Hörgeschädigte? Auch dafür gibt es eine mögliche Lösung: Masken, die noch die Lippen sichtbar halten.

Was sonst noch passierte:

Wie ein gamender Psychiater Spielern hilft, ihre Videospielsucht zu verstehen (Standard.at)
Der Psychiater Alok Kanojia streamt montags, mittwochs und freitags auf Twitch und beantwortet Fragen – auch zur Abhängigkeit von Videospielen. Er ist selbst leidenschaftlicher Zocker und hat unter anderem die 15-teilige YouTube-Reihe „Video Game Addiction – A Gamer‘s Guide to Understanding and Overcoming“ ins Leben gerufen. Aber bei aller virtuellen Unterstützung: „Kanojia weist immer ausdrücklich darauf hin, dass das Healthygamer-Programm und sein Online-Auftritt niemals eine personalisierte Therapie ersetzen können.“

Study looks at how Russian troll farms are politicizing vaccines (Ars Technica)
Eine Studie hat den Einfluss russischer Troll-Twitter-Accounts auf die Impfdiskussion untersucht. Dafür haben die Forschenden der sogenannten Internet Research Agency zugeordnete Accounts untersucht. Eine der Fragen, die sie hatten: Versuchen die Trolle, Impfungen zu politisieren oder sind entsprechende Tweets nur zufällige Beimischungen?

Gesundheitsministerium prüft Dienste von umstrittener Big-Data Firma Palantir (derStandard.at)
Der schwindlige US-Datenkonzern Palantir geht weltweit mit seinen Dienstleistungen hausieren. Im Visier steht nun das österreichische Gesundheitssystem, das mit Hilfe von Big Data „effizienter“ gemacht werden soll. Derweil bereitet die Stopp-Corona-App des österreichischen Roten Kreuzes Datenschützern Bauchschmerzen.

States plan to expand mobile voting amid coronavirus pandemic, despite security concerns (Washington Post)
Anstehende demokratische Wahlen in Zeiten einer Pandemie dürften unsere Gesellschaften in den kommenden Monaten noch Kopfzerbrechen bereiten. Eine komplette Aussetzung wie in Ungarn ist selbstverständlich inakzeptabel, Wählen per E-Mail wie im EU-Parlament auch nicht sonderlich empfehlenswert, und eine Verschiebung wie in Österreich lässt sich auch nicht dauerhaft machen. Ungeachtet dieser Fragen wollen nun mehrere US-Bundesstaaten bisherige digitale Wahlmöglichkeiten deutlich ausweiten, auch über Mobiltelefone (anstatt etwa auf Briefwahlen zu setzen). IT-Experten stellen sich, Überraschung, die Nackenhaare auf.

Video des Tages: Volle Halle um 20:15

Das Team um „Volle Halle“ bringt den Klimawandel und mögliche Lösungen auf die Bühne. Auf unserer vergangenen Netzpolitik-Konferenz im September haben sie eine frühere Version bereits vorgetragen. Am 6. März wurde Volle Halle nochmal in einer neuen Version in Berlin aufgeführt. Mit dabei war der Pianist Igor Levit. Und diese Aufführung gibt es heute um 20:15 auf Youtube zu sehen. Im Anschluss lädt das Team noch zu einer Videokonferenz ein.

In einem Gastbeitrag auf netzpolitik.org erklären die Macher:innen von Volle Halle, was sie noch vorhaben: Das Netz gegen die Krise.

Im Netz erleben viele gerade eine Stimmung von Gemeinsinn und Aufbruch. Das macht Hoffnung, doch die Kräfte, die uns zu Profitmaximierung und Eigennutz getrieben haben, verschwinden nicht einfach.

Das war es für heute. Viele Grüße und bleibt gesund,
Markus Beckedahl

Ich freue mich immer über Feedback und gute Hinweise. Meine Mailadresse ist markus@np. Ich bin zwar häufig von zu vielen eMails überfordert und bekomme nicht alle beantwortet. Aber ich lese alle Mails.

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