[bits] Kein Schutzschirm für Schutzmasken-Drucker

Hallo,

mit einem milliardenschweren Sonderprogramm greift die Bundesregierung der deutschen Wirtschaft unter die Arme. Doch staatliche Förderung gibt es nur für Unternehmen mit Gewinnabsichten. Gemeinnützige Maker-Initiativen, die auf eigene Kosten Schutzmasken und Ersatzteile herstellen, gehen leer aus.

Sie sind auf Spenden angewiesen, um eine Aufgabe zu erledigen, die eigentlich Aufgabe des Staates ist: Schutzmasken drucken und nähen.

Darüber schreibt Tomas Rudl: Wer gemeinnützig gegen Corona hilft, bekommt kein Geld.

Die „richtige“ Corona-App zur Identifizierung von möglichen Infektionsketten soll kommende Woche veröffentlicht werden. Das erklärte einer der Initiatoren, Chris Boos, der dpa: Europäische Corona-Warn-App soll in zehn Tagen fertig sein.

Chris Köver beschreibt, warum die Debatte über zentrale vs. dezentrale Corona-Tracing-Apps nicht ganz so einfach ist, wie man vielleicht denkt. Aus technischer Sicht bieten beide Wege unterschiedliche Vor- und Nachteile für den Schutz der Privatsphäre: Welche Technologie bietet den besseren Datenschutz?

Sarah Spiekermann, Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien, hat sich die österreichische Corona-App des dortigen Roten Kreuzes angeschaut. Anhand ihrer Bewertung lässt sie noch eine Analyse vergleichbarer Apps einfließen und ermöglicht so einen guten ethischen Überblick über verschiedene diskutierte Modelle: Handy-App gegen die Infektion: Sollen wir Bürger mitmachen? Auf ihrer Institutsseite steht eine detaillierte Analyse der verschiedenen Tools.

Wissenswertes zur Coronakrise

Eine Studie der Harvard TH Chan School of Public Health bietet Indizien, dass die Feinstaubbelastung in der Luft negative Auswirkungen auf mögliche Covid19-Erkrankungen haben kann: Air pollution linked to far higher Covid-19 death rates, study finds. Wenn das nicht gerade das stärkste Argument für eine schnelle Verkehrswende ist!

Vergangene Woche twitterte der britische Premierminister stolz einen Screenshot von einer Kabinettssitzung auf Zoom. Das war aus IT-Security-Sicht sportlich, denn es waren auch Informationen sichtbar, die man gerade bei dem Sicherheitslevel nicht der Welt mitteilen möchte. Abgesehen von vielen sonstigen Sicherheitsbedenken bei der Nutzung von Zoom, die das Citizen Lab vor einer Woche in einer Studie gezeigt hat: Move Fast and Roll Your Own Crypto. Das Auswärtige Amt hat jetzt seinen Mitarbeitenden verboten, Zoom für auf ihren Dienstgeräten zu verwenden. Das Handelsblatt zitiert aus einem Rundschreiben: „Medienberichten und eigenen Erkenntnissen zufolge hat die Software von Zoom kritische Schwachstellen und weiterhin erhebliche Sicherheits- und Datenschutzprobleme“.

Marc Brost und Bernhard Pörksen plädieren in der Zeit für einen starken Journalismus und schildern verschiedene Fallstricke, wie sich Teile des Journalismus selbst daran hindern: Angesteckt.

Die wichtigsten Verbreiter von Falschinformationen über den Coronavirus sind nicht etwa anonyme Twitterbots und Trolle, sondern Politiker:innen und Prominente. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des von Google mitfinanzierten Reuters-Instituts für Journalismusforschung der Universität Oxford. In der Untersuchung lieferten bekannte Persönlichkeiten rund 20 Prozent der Fälle von Desinformation, sorgten aber mit ihrer hohen Reichweite für 69 Prozent der Interaktionen (Klicks, Shares, Kommentare, etc.). Ein Beispiel dafür ist nicht nur Fake-News-Verbreiter-in-Chief Donald Trump, sondern etwa auch Tesla-Chef Elon Musk. Der tweetete etwa, Kinder seien „praktisch immun“ gegen den Coronavirus – eine durch Todesfälle von jungen Patienten klar widerlegte Aussage. Twitter will den Tweet dennoch nicht löschen, er ist weiter abrufbar.

Das neue US-Investigativmedium The Markup hat sich angesehen, wie es prekär Beschäftigten bei diversen Dienstleistungsplattformen in den USA in der Coronakrise geht. Die Krise verschärft die zuletzt immer häufiger öffentlich ausgetragenen Konflikte zwischen den Plattformfirmen und ihren (Nicht-)Beschäftigten. Der Artikel erwähnt etwa, dass es allein diese Woche bei Instacart, Amazon und Whole Foods zu Protesten von Beschäftigten kam. Die Mitarbeitenden fordern unter anderem bezahlte Krankentage und – durchaus nachvollziehbar – Hand-Desinfektionsmittel und Wischtücher. Wer möchte online irgendwo einkaufen, wo das nicht selbstverständlich ist?!!

Was sonst noch passierte:

Arne Semsrott wünscht sich bei Übermedien, dass mehr Medien Originaldokumente veröffentlichen, aus denen sie bisher in der Regel nur zitieren: Veröffentlicht die Dokumente!

Die britische Regierung nutzt Apps mit algorithmischen Entscheidungssystemen, um den Aufenthaltsstatus dort wohnender EU-Bürger:innen zu managen. Das kann auch zu kafkaesken Entscheidungen führen, wie Algorithmwatch berichtet: Brexit: How EU nationals navigate the automated checks of the “Settled Status” program.

Die Kunstwelt beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz. Ein Artikel in der New York Times fast diese Auseinandersetzung zusammen und resümiert, dass die Künstler:innen dabei vor allem eine Frage umtreibt: Nämlich was zur Hölle wir mit selbstlernenden Algorithmen eigentlich auf die Menschheit loslassen.

Video des Tages: Sandalenfilme

Quo Vadis, Ben Hur und Gladiator – Historische Monomentalfilme sind politischer als mir bis gestern bewusst war. In der Arte-Mediathek gibt es aktuell die faszinierende Dokumentation „Mit Schwertern und Sandalen“ über ein Film-Genre, das immer wieder verschwindet und doch wieder auftaucht. Und das häufig für Propaganda-Zwecke und politische Botschaften genutzt wurde.

Das war es für heute. Viele Grüße und bleibt gesund,
Markus Beckedahl

Ich freue mich immer über Feedback und gute Hinweise. Meine Mailadresse ist markus@np. Ich bin zwar häufig von zu vielen eMails überfordert und bekomme nicht alle beantwortet. Aber ich lese alle Mails.

Diesen Newsletter kann man hier abonnieren.

Im Anfangsstadium gibt es hier keine zusätzliche Redaktion und Qualitätskontrolle. Rechtschreibfehler werden zwar vermieden, können aber auftreten und müssen in diesem Fall leider auch behalten werden. Dieser Newsletter wird auch von vielen Spenden im Rahmen der freiwilligen Leser:innenfinanzierung von netzpolitik.org ermöglicht. Mit Deiner Unterstützung können wir noch viel mehr machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.